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FRAUEN IM SINN

 

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Verlag Krug & Schadenberg

 

 

Literatur deutschsprachiger und internationaler

Autorinnen (zeitgenössische Romane, Kriminalromane,

historische Romane, Erzählungen)

 

Sachbücher und Ratgeber zu allen Themen

rund um das lesbische Leben

 

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Manuela Kuck

Die Rivalin

K+S digital

1

Rieke wartete im Wagen auf mich, und ich freute mich, sie zu sehen. Ich ließ den Frühlingswind über mein Gesicht streichen und atmete tief durch, während ich über den Parkplatz auf sie zuging. Der Tag war anstrengend gewesen, und es tat gut, jetzt einfach abschalten zu können.

Rieke hatte die Fensterscheibe heruntergekurbelt und hob mir ihr Gesicht entgegen. Ich küsste sie.

»Hallo, du siehst ja ganz schön groggy aus«, sagte sie dann. »Magst du eine Runde spazierengehen? Oder hast du Lust, in nettem Ambiente ein paar Kalorien einzufahren?«

Sie lächelte spitzbübisch. Manchmal nahm sie mich mit meiner Essproblematik einfach auf die Schippe, und ich kam erstaunlich gut damit klar.

»Wir könnten auch zu Georg fahren«, schlug sie weiter vor. »Er hat gestern angerufen und meinte, bei ihm könnte man schon auf der Terrasse sitzen und wir seien herzlich eingeladen, das bei Kaffee und Kuchen oder Wein und Knabberzeug auszuprobieren. So gesehen kann man ja eigentlich immer auf der Terrasse sitzen – also auch bei Schneeregen, Blitzeis und in tosendem Frühlingsgewitter. Ich habe ihm jedoch gesagt, dass ich für derlei Freiluftbetätigungen eher Temperaturen um die fünfundzwanzig Grad plus Sonne bräuchte. Stell dir vor, das konnte er gar nicht so recht nachvollziehen. Komischer Kauz!«

Ich lachte und stieg ein. Georg, ein ehemaliger Zimmermann und phantasievoller Hobbykoch, der die Sechzig bereits überschritten hatte, wohnte in einem kleinen Haus in Teltow, direkt hinter der südwestlichen Berliner Stadtgrenze, und war ein alter Freund von Rieke, den ich inzwischen auch sehr zu schätzen wusste. Anfangs waren mir sein eindringlicher Blick und seine gradlinige, knurrige Art gehörig auf die Nerven gegangen, mittlerweile hatte ich den alten Brummbären ins Herz geschlossen. Doch nach einem Besuch stand mir trotzdem nicht der Sinn.

»Ein andermal vielleicht«, sagte ich. »Ich würde jetzt lieber mit dir allein sein.«

Rieke zwinkerte mir zu und pfiff durch die Zähne. »Das höre ich natürlich gerne. Wohin darf ich dich entführen?«

Wir entschieden uns nach kurzer Diskussion, in den Grunewald zu fahren, um das freundliche Wetter auszunutzen.

»Gab es etwas Besonderes in der Gruppe?« fragte Rieke, als wir zwanzig Minuten später händchenhaltend durch den Wald spazierten.

Ich gehörte seit ungefähr einem halben Jahr einer Gruppe von essgestörten Frauen an, die sich regelmäßig trafen und ihre Probleme oder auch Fortschritte besprachen. Am frühen Abend hatte ich an einer Sitzung teilgenommen. Sie war, wie meistens, anstrengend gewesen. Einmal Eßstörungen, immer Eßstörungen? Manchmal hatte es wirklich den Anschein. Wer rasant auf die Vierzig zuging und sich seit den Jugendjahren mit Magersucht oder Bulimie herumschlug, durfte getrost davon ausgehen, dass sie Teil seines Lebens geworden war und es wohl auch bleiben würde. Mein Therapeut Bastian hatte letztens ähnliches verlauten lassen. Je ausgeglichener ich war und je sicherer ich mich fühlte und mit den Alltagsanforderungen zurechtkam, desto weniger Einfluss hatte die Eßstörung auf mein Befinden, meine Entscheidungen, meine Gefühle. Sie blieb im Hintergrund – um dort allerdings aufmerksam zu lauern. War ich voller Unruhe, musste ich Konflikte lösen oder fühlte ich mich unwohl in meiner Haut, war mein Kalorienzähler schnell zur Stelle und die Essenseinteilerin gab eifrig ihre Kommentare ab, dicht gefolgt von der Oberschenkelvermesserin.

Ich wog durchschnittlich vier bis fünf Kilo mehr als im letzten Spätherbst, als Rieke mit mir in die Klinik gefahren war, weil ich zu viele Abführtabletten genommen und vom Durchfall gefährlich geschwächt war. Jahrelang hatte ich regelmäßig zu Abführtabletten gegriffen, um mein Gewicht zu halten oder zu drücken. Seinerzeit hatten Kim und ich uns gerade getrennt, und sie hatte in einem üblen Streitgespräch meinen wunden Punkt getroffen. Nun brachte ich also etliche Kilo mehr auf die Waage, die ich mal in Hundertgrammschritten, dann wieder pfundweise zugelegt hatte und die mir manchmal den Angstschweiß auf die Stirn trieben, obwohl ich wusste, dass es lächerlich war. Ich hatte ein für meine Größe und mein Alter immer noch niedriges Gewicht und war sehr schlank. Aber tief im Inneren fühlte ich mich oftmals dick, pummelig, unansehnlich. Außenstehende können das kaum nachvollziehen und halten es wahrscheinlich für kokette Spinnerei. Letztens sagte mir ein Kollege, den ich länger nicht gesehen hatte, dass ich so wohl aussähe und dass die etwas runderen Wangen mir besonders gut stünden. Rundere Wangen? Ich erschrak. Zog den Bauch ein, überprüfte mein Kinn. Nagende Unruhe. Wenn das verzerrte Bild, das ich von mir selbst hatte, mich zu sehr bedrängte – immerhin wusste ich, dass es verzerrt war, doch ändern konnte ich es trotzdem nicht –, dachte ich an Sabine. Sie war auch in der Gruppe gewesen und an Weihnachten im Jahr zuvor an Magersucht gestorben.

Rieke sah mich auffordernd von der Seite an. Ich hatte ihre Frage noch nicht beantwortet. Ich drückte ihre Hand und schüttelte den Kopf.

»Nein, nichts Besonderes, nur das Übliche – und gerade das geht mir manchmal gehörig auf die Nerven. Immer die gleiche Leier. Ich kann mich ja kaum selbst ertragen mit all diesen stets aufs neue wiederkehrenden Gefühlen, Gedanken, Bedenken und Ängsten! Man dreht sich im Kreis. Man spürt es selbst und kann es doch nicht ändern. Oft sagt eine Frau nur drei Worte, und ich weiß schon, wie der Satz enden wird, worauf sie hinaus will.« Ich sah Rieke an. »Versteh mich nicht falsch, das sind keine Vorwürfe, die ich den anderen Frauen mache. Ich bin ja selbst so – ich kann es nur einfach nicht mehr hören, egal von wem es kommt. Dieser Spiegel, in den ich ständig gucken muss – es ist frustrierend.«

»Verstehe. Hast du mal mit Bastian darüber gesprochen?«

»Klar – das gehört zum Prozess dazu, meint er.«

Rieke verdrehte die Augen, dann lächelte sie aufmunternd. »Da hast du es. Wahrscheinlich siehst du das in einem Jahr alles ganz anders. Also hab Geduld. Schließlich bist du ja erst einige Monate dabei.«

Wir gingen eine ganze Weile schweigend weiter. Es roch herrlich frisch nach Harz und feuchter Erde, Riekes dunkelblondes Haar glänzte in der Abendsonne, und ich hätte zufrieden sein können oder sogar müssen. Ich hatte eine wunderbare, warmherzige Freundin, einen tollen Job, befand mich auf dem Weg der Heilung, gewann allmählich ein halbwegs entspanntes Verhältnis zu meinen Eltern und lebte in einer aufregenden Stadt. Und bei näherer Betrachtung? Ja, Berlin war voller Esprit, aber eben auch laut, schmutzig, irritierend, und es stimmte, dass meine Eltern sich große Mühe gaben, mich zu verstehen. Allerdings würde gerade meine Mutter noch in hundert Jahren lieber um ihren verstorbenen Sohn trauern, statt sich wirklich um herzliche Nähe zu mir zu bemühen. Meine Fortschritte in der Therapie waren unübersehbar und kaum groß genug einzuschätzen – nur wann würde sich diese Tatsache endlich zu einer grundsätzlichen Gewissheit wandeln, auf die ich stolz sein, über die ich mich freuen konnte? Und Rieke? Sie war stets für mich da, doch hin und wieder wünschte ich, sie würde auch mal nein sagen, sich zurückziehen, ihren persönlichen Freiraum einfordern und verteidigen. Blieb noch mein Job in der Werbeagentur. Er war kreativ, fordernd, abwechslungsreich, aufregend – ich meisterte ihn gut, und meine Leistungen wurden anerkannt. Und er gefiel mir nicht mehr. So einfach war das.

»Und sonst so?« hakte Rieke schließlich nach. »Stress mit Kunden, der über das normale Maß hinausgeht?«

Ich blieb ruckartig stehen, und Rieke konnte gar nicht anders, als es mir gleichzutun, da ich ihre Hand nicht losließ. »Stress ist der falsche Ausdruck. Es steht mir sozusagen hier.« Ich fuhr mir quer über den Hals. »Manchmal würde ich den ganzen Kram am liebsten …«

Sie legte den Kopf schief. »Ja?«

»Um ehrlich zu sein – die Sache mit den Schokoriegeln, Keksen, Chips und bauchfreien Jeans …« Ich schüttelte den Kopf und atmete lautstark aus. »Ich stehe einfach nicht mehr dahinter! Hört sich platt und abgedroschen an, aber anders kann ich es nicht ausdrücken, denn es trifft den Nagel auf den Kopf und beschäftigt mich nicht erst seit gestern.«

Rieke runzelte die Stirn und sah mich irritiert an.

»Du hast immer gesagt, es sei ein toller Job, Vermarktungsstrategien zu entwickeln«, wandte sie ein. »Es würde dich reizen, die Lücken in der Werbung der Konkurrenz zu entdecken, um in dem ganzen Überangebot doch wieder als etwas Besonderes hervorzustechen – unabhängig davon, um welches Produkt es sich handelt.«

»Ja, das sind wohl meine Worte gewesen.«

Wir gingen gemächlich weiter, obwohl ich am liebsten mit eiligen Schritten durch den Wald gelaufen wäre. Das Thema gärte seit geraumer Zeit in mir, aber dass ich inzwischen so klar Position bezog und derart emotional reagierte, überraschte mich selbst.

»Und nun nerven also die Schokoriegel? Geht es also doch um das Produkt?« fragte Rieke. »Würde es dir besser gefallen, für … sagen wir, Magerjoghurt oder fettfreie Müsliriegel Werbung zu machen?« Sie warf mir von der Seite einen ihrer besonders forschenden Blicke zu.

Ich hielt ihm stand. »Ich weiß, was du denkst, aber das trifft es nicht. Es geht nicht um meine speziellen Probleme mit dickmachenden Lebensmitteln, dann hätte ich in dem Laden ja nie anfangen dürfen, geschweige denn Karriere machen und einen leitenden Posten übernehmen …«

»… sondern?«

»Ich glaube, es geht einfach um das grundsätzliche Engagement meiner Firma bei den Produkten, für die wir Werbung machen.«

»Nämlich?«

»Nämlich die Scheinwelt, die wir regelmäßig entwickeln – die schöne bunte Illusion, mit der wir ständig locken und den Leuten den Mund wässrig machen und die ihnen als jederzeit auch für sie mögliche Alternative zu ihrer eigenen, ja meist sehr viel tristeren Lebenswirklichkeit vorgegaukelt wird. Indem sie dieses oder jenes Produkt kaufen, wird dann alles anders. Esst diesen Riegel, diesen Keks, tragt diese Hose und ihr seid jung, kreativ, gut drauf, habt Freunde, seht toll aus oder noch toller als vorher und so weiter und so fort. Du weißt, was ich meine – das Produkt hat mit dem Leben, dem Alltag der Menschen so gar nichts zu tun. Warum sollte es auch? Ein Schokoriegel ist ein Schokoriegel. Ende.«

»Ich verstehe schon, was du meinst, aber das mit der Scheinwelt weißt du doch nicht erst seit vorgestern!« entgegnete Rieke energisch. »Werbung funktioniert nun mal so, egal in welcher Firma oder um welches Produkt es geht, und sie ist dein Job – seit fast zwei Jahrzehnten. Und bislang hast du deine Arbeit gern und gut gemacht und warst nahezu immun gegen jegliche grundsätzliche Kritik. Außerdem ist es doch mit Joghurt oder Müsliriegeln nicht anders. Da wird suggeriert, dass sie gesund sind und darüber hinaus schlank und damit schön machen, womit sich dann auch Glück, Erfolg, Liebe einstellen und so weiter. Oder habe ich da was falsch verstanden?« Ihr Ton war ironisch geworden.

»Nein, hast du nicht, nur die Diskrepanz zwischen den Produkten Joghurt und Müsliriegel, um bei dem Beispiel zu bleiben, und dem, was quasi als Belohnung für den Konsum suggeriert wird, ist meiner Meinung nach nicht ganz so groß wie bei den Süßwaren«, wandte ich ein. »Doch davon abgesehen habe ich nicht vor, nun in die Milchprodukte- oder Cerealienwerbung zu gehen. Es gibt ja nicht nur den Lebensmittelsektor.«

Rieke kratzte sich am Hinterkopf. »Hm, also hundertprozentig überzeugend finde ich deine Argumente nicht, wenn ich ehrlich sein soll. Irgendwie sehe ich die grundsätzlichen Unterschiede einfach nicht. Werbung ist und bleibt nun mal Werbung – die Unternehmen wollen ihre Produkte verkaufen, und der Kunde soll gefälligst glauben, dass dieser oder jener Artikel der beste, schönste, günstigste ist, entsprechend wird er angepriesen, Ende, aus. Ob Joghurt, Schokoriegel, Jeans, Autos oder sonst was.«

Ich seufzte. »Ja, ich weiß«, gab ich ihr zögernd recht. »Ich bin mir auch bewusst, dass sich das ziemlich unausgegoren anhört. Wahrscheinlich brauche ich nur eine Art argumentatives Absprungbrett, um meine berufliche Neuorientierung zu rechtfertigen.«

»Argumentatives Absprungbrett«, wiederholte Rieke murmelnd. »Darf ich das bei Gelegenheit mal zitieren?«

»Darfst du.« Ich lächelte sie von der Seite an. »Seit ich im letzten Sommer von Frankfurt nach Berlin zurückgekehrt bin, hat sich alles mögliche in meinem Leben verändert. Im Grunde ist kaum noch etwas wie vorher. Bis auf meinen Job, und nun scheint auch der an der Reihe zu sein. Glaub mir, niemand ist darüber verwunderter als ich selbst.«

Ja, in der Tat – ausgerechnet ich, die ich jegliche Veränderungen zunächst einmal skeptisch betrachtete und der seinerzeit das Angebot meiner Firma, in der Hauptstadt eine Dependance zu leiten und somit nach nahezu zwanzig Jahren in meine Geburtsstadt zurückzukehren, gar nicht willkommen gewesen war, krempelte in weniger als einem Jahr mein Leben nahezu komplett um.

»Und? Was willst du machen?« Sie sah mich gespannt an.

»Ich glaube, ich schaue mich einfach mal ein bisschen um – es gibt auch noch andere Firmen mit anderen Schwerpunkten. Wer weiß …«

Rieke legte mir den Arm um die Taille, und ich zog automatisch den Bauch ein. Ob sie das mitbekam?

»Das klingt, als hättest du schon etwas im Visier«, mutmaßte sie.

»Nein, soweit ist es dann doch noch nicht.«

Wir waren inzwischen wieder am Parkplatz angelangt und blieben vor dem Wagen stehen.

»Nun, es kann ja grundsätzlich nicht schaden, die Augen offenzuhalten. Wie sieht es denn in der Branche mit freien Stellen aus?« fragte Rieke und entriegelte die Türen.

»Es tut sich einiges in der Stadt – vergleichsweise preiswerte Gewerbemieten zum Beispiel in Mitte und die anregende Großstadtatmosphäre locken die Leute. Allerdings müsste ich in einem anderen Unternehmen gehaltsmäßig wohl einige Abstriche machen«, überlegte ich halblaut, während wir einstiegen. »Schließlich habe ich mir in vielen Jahren eine leitende Position erarbeitet und kann nicht davon ausgehen, woanders gleich ganz oben einzusteigen.«

Rieke startete den Motor und legte den Gang ein. »Sollte da tatsächlich was draus werden, wirst du deine Brötchen wohl trotzdem noch bezahlen können – die anderthalb, die du verdrückst, gehen ja nicht so heftig ins Geld!« Sie kicherte. »Und wenn es doch mal mau in deinem Portemonnaie aussieht, kommst du eben zu mir ins Bistro zum Essen. Ich verspreche dir, dass ich dir keinen Schokoriegel anzudrehen versuche, auch keinen Bioschokoriegel! Außerdem, nur mal so nebenbei angemerkt: Meine Wohnung ist groß genug für zwei. Da ließe sich eine Menge Knete sparen.«

Ich sah rasch zum Fenster hinaus. Rieke meinte das Angebot ernst. Sie wäre lieber heute als morgen mit mir zusammengezogen – das hatte sie mit Kim, meiner Ex-Freundin, gemeinsam –, und sie ließ es immer wieder durchblicken: mal in einen Scherz gekleidet, mal als scheinbar nebensächliche Bemerkung charmant hingeworfen. Für mich war das kein Thema. Noch nicht. Vielleicht nie, und ich war bisher meistens ausgewichen, wenn die Rede darauf gekommen war. Ich schätzte die Distanz. Bei Rieke hingegen löste sie Angst oder Unruhe aus. Zumindest schien sie ihr in der von uns gelebten Form auf Dauer überflüssig und stellte einen Störfaktor dar, frei nach dem Motto: Wenn man sich liebt, lebt man unter einem Dach, glücklich natürlich. Obwohl wir das Thema noch nicht näher diskutiert hatten, war mir klar, dass meine Haltung sie verletzte und sie die Hoffnung hegte, dass ich bald einlenken würde. Ich hoffte das nicht. Ich hatte eben andere Wünsche, andere Bedürfnisse. Mein Freiraum war mir nicht nur wichtig – ohne ihn hatte ich Mühe, mich selbst richtig zu spüren, und um so weniger Raum gab es dann auch für meine Gefühle für Rieke. Aber ich vermutete, dass sie das nicht verstehen wollte oder konnte.

»Du sagst ja gar nichts mehr«, fuhr Rieke einen Moment später fort und bog auf die Straße ein. Ihre Stimme war sehr hoch. »Ich finde die Idee gar nicht schlecht.«

»Ich weiß.«

Sie sah mich kurz an und richtete den Blick dann wieder auf die Straße.

»Wie gut, dass du angeschnallt bist, sonst würdest du dich vor Begeisterung förmlich überschlagen«, erklärte sie frotzelnd. »Mir ist klar, dass du deine Eigenständigkeit schätzt, aber ist das Zusammenleben denn überhaupt kein Thema für dich? So grundsätzlich. Nicht heute oder morgen, aber vielleicht doch übermorgen? In einer genügend großen Wohnung?«

Ich stöhnte innerlich auf. Musste das ausgerechnet jetzt sein? Die Frage war unsinnig, aber sie kam mir trotzdem in den Sinn.

»Es ist ein schwieriges Thema«, sagte ich schließlich.

»Warum?« Rieke ließ nicht locker. »Was ist daran so schwierig? Unsere Standpunkte können sich doch nur annähern, wenn wir über sie reden und einen Kompromiss suchen.«

»Weil ich glaube, dass unsere Standpunkte sehr weit auseinanderliegen und wir in der Sache nicht auf einen Nenner kommen. Aber ich möchte natürlich nicht, dass du …«

»Du willst also nicht!« unterbrach sie mich abrupt. »Sag das doch einfach! Ich habe nur einen Vorschlag gemacht angesichts deiner Überlegung, eventuell einen anderen Job anzunehmen, bei dem du wohl finanzielle Abstriche machen müsstest. Du brauchst kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Ich bin ja nicht aus Zuckerwatte, und ich kann einiges ab.«

Wenn du dich da mal nicht täuschst, dachte ich und seufzte leise.

Sie sah mich kurz von der Seite an. »Was ist?«

»Ich will dir nicht weh tun, Rieke«, sagte ich behutsam.

»Wie ich diesen Satz hasse«, erwiderte sie ruhig und hielt vor einer roten Ampel. Sie sah mich nicht an. »Er taucht immer dann auf, wenn es um eine glasklare Abfuhr geht, und diejenige, die die Abfuhr erteilt, möchte natürlich nicht mit der Enttäuschung der anderen konfrontiert werden. Das riecht nämlich nach Mißstimmung, zähen Diskussionen, vielleicht sogar Tränen. Aber lass mal gut sein – ich habe mir schon so was gedacht. Du bist nicht die Frau für kuschelige Zweisamkeit. Gemeinsam schlafen gehen und aufstehen, frühstücken, sich aufs Wochenende freuen, Anschaffungen planen und den Haushalt organisieren, Freundinnen zum Essen einladen, bei IKEA einkaufen, vielleicht sogar zusammen einen Bonsai aufziehen – alles nicht dein Ding, warum auch immer, ich weiß. Trotzdem schade.«

Ich schaute auf meine Füße und sah dann wieder hoch. »Im Moment kann ich mir das nicht vorstellen, nein. Aber das hat nichts mit meinen Gefühlen für dich zu tun. Ich bin einfach so, verstehst du? Ich war es schon immer. Du kennst mich doch gar nicht anders.«

Rieke presste die Lippen aufeinander. »Alles kann sich ändern, das hast du doch vorhin selbst gesagt – sogar in Bereichen, in denen du das bislang für ausgeschlossen gehalten hast. Doch davon abgesehen – klar, ich versuche es zu verstehen, aber es fällt mir schwer.« Die Ampel sprang auf grün, und sie gab Gas.

»Was ist so schwer daran, abgesehen davon, dass du enttäuscht bist, weil du dir etwas anderes für uns wünschst?«

»Ganz einfach – ich denke, dass in einer rundum glücklichen Beziehung irgendwann beide den Wunsch haben zusammenzuleben. Sonst stimmt eben was nicht.«

»Das ist Quatsch«, sagte ich und meinte es auch so.

Rieke bog in die Straße ein, in der ich wohnte und fand vor meinem Haus einen Parkplatz. Sie hielt an und stellte den Motor ab. »Das ist also Quatsch? Interessant.«

»Ja – verschiedene Menschen, verschiedene Träume. Du kannst doch nicht alle über einen Kamm scheren. Besser gesagt: über deinen Kamm.«

Sie sah mich an. »Meinst du, es wird immer so bleiben?«

»Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht.«

Sie nickte. »Na dann …«

Ich legte meine Hand auf ihren Arm. »Rieke, komm, nun schau nicht so traurig drein! Wer weiß, vielleicht bist du in ein, zwei Jahren diejenige, die froh ist, dass wir nicht zusammenwohnen.«

»Warum sollte ich darüber froh sein?«

»Weil du vielleicht festgestellt hast, dass dir unsere Beziehung so wie sie ist guttut – viel besser als ursprünglich vermutet. Auch deine Bedürfnisse können sich wandeln.«

Sie verzog den Mund. »Ein schöner Trost!«

»Ach, Rieke …«

»Lass mal gut sein und genieße den Abend so ganz für dich allein«, meinte sie dann süffisant und zwinkerte mir mit aufgesetztem Lächeln zu. »Ist ja glücklicherweise niemand da, der dir dazwischenquatschen könnte.«

Ich sah sie einen Moment schweigend an, dann öffnete ich die Wagentür. »Ich rufe dich an, okay?«

»Tu dir nur keinen Zwang an.«

Kurz darauf betrat ich meine Wohnung und atmete ihre kühle Leere ein. Der Kühlschrank summte leise, der Anrufbeantworter blinkte. Die Küche war aufgeräumt und blitzsauber. Ich fand alles so vor, wie ich es morgens hinterlassen hatte. Ein schönes Gefühl, das ich zutiefst schätzte. Und brauchte.

2

Das Roggenbrot war gelungen. Die dunkle Kruste war aufgebrochen, und es verströmte einen intensiven, leicht säuerlich-herben Geruch, bei dem mir meist das Wasser im Mund zusammenlief. Ich legte die Laibe zum Abkühlen aufs Gitter und schob die nächsten Bleche in den Ofen: Kürbiskern- und Leinsamenbrot sowie knuspriges Ciabatta mit Oliven. Nebenbei trank ich meinen Kaffee und stellte die Einkaufsliste zusammen. Selten hatte ich mich so auf die Frage konzentriert, wieviel Rohrzucker ich kaufen und ob ich einen weiteren grünen Tee ins Angebot meines Bistros nehmen sollte. Je stärker ich meine Gedanken auf mein Tun ausrichtete, desto weniger konnten meine Gefühle dazwischenfunken. Aber natürlich gelang es ihnen trotzdem immer wieder. Ich wischte mir den Schweiß von der Stirn. Es war heiß in der Küche, und es versprach ein warmer Frühsommertag zu werden. Ich entschied mich, Eistorte mit Himbeeren und Vanille vorzubereiten, obwohl das ein teures Vergnügen war und meine Kundschaft sich zur Zeit unerfreulich zurückhielt. Wenn die Umsätze in den nächsten Monaten so schwach blieben, von einer weiteren Verschlechterung ganz zu schweigen, durfte ich anfangen, mir ernsthaft Sorgen zu machen. Als hätte ich nicht schon genug, worüber ich mir den Kopf zerbrechen musste.

Paulas Entscheidung, den Job zu wechseln, die Werbeagentur, deretwegen sie im Jahr zuvor Frankfurt den Rücken gekehrt hatte, tatsächlich zu verlassen, war so schnell gefallen, dass ich aus dem Staunen kaum herauskam. Ausgerechnet Paula, für die immer alles genau nach Plan laufen musste und die schon unruhig wurde, wenn sich mal ein Termin um fünfzehn Minuten verschob oder sie ihren Wasch- und Bügeltag nicht wie gewohnt einhalten konnte, fasste innerhalb weniger Wochen einen ebenso grundsätzlichen wie weitreichenden Entschluss hinsichtlich ihrer beruflichen Zukunft und setzte ihn prompt um. So spontan hatte ich sie noch nie erlebt. Ja – sie war nachdenklich geworden, was ihre Aufgabe anging, Süßwaren so clever zu vermarkten, dass man kaum widerstehen konnte, und hatte sicherlich auch schon seit längerem den Spaß daran verloren, aber wer zweifelte nicht gelegentlich an seinem Tun und sehnte sich nach etwas Neuem? Wenn es danach ging, hätte ich das Bistro schon vier Wochen nach der Eröffnung wieder geschlossen und anschließend regelmäßig alle paar Monate. Jedenfalls hatte Paula in Null Komma nichts einen anderen Job in Aussicht und war sich verblüffend schnell mit ihrem alten Arbeitgeber über einen Auflösungsvertrag einig geworden. Seit kurzem gehörte sie zum Team einer Firma, die schwerpunktmäßig auf dem Sportartikel- und Freizeitsektor tätig war. Nun befasste sie sich nicht mehr mit der Frage, wie Schokoriegel XY einen größeren Bekanntheitsgrad als die ungefähr dreißig anderen erlangen konnte, sondern beschäftigte sich damit, schnittige Rennräder und Inlineskates verkaufsfördernd darzustellen und Erlebnishungrige von einem bestimmten Reiseunternehmen zu überzeugen. Ich hielt den Unterschied nicht für gravierend, aber Paula war begeistert bei der Sache – obwohl sie rund um die Uhr arbeitete, bedeutend weniger verdiente als vorher und keinen leitenden Posten mehr hatte. Sie war im Dauerstress, einem positiven Stress, wie sie lächelnd betonte, aber ich wurde den Eindruck nicht los, dass sie gern unter Strom stand, weil das ihr Gewicht beeinflusste – nach unten selbstverständlich. Ich war mir sicher, dass sie wieder ungefähr zwei Kilo abgenommen hatte. Das schien nicht viel, aber für eine seit gut zwanzig Jahren magersüchtige Frau, die sich gerade erst an den Gedanken gewöhnt hatte, dass Untergewicht sowie ständiges Kontrollieren und Hungern ein Krankheitsbild darstellten, war das ein ernstzunehmendes Warnsignal, das man nicht übersehen durfte. Eine in diese Richtung gehende Frage hatte Paula letztens achselzuckend beiseite geschoben – meine Fürsorglichkeit sei ja nett, aber ich solle es nicht so übertreiben. Aha. Nun gut. Dann eben nicht.

Ich ging nach vorn ins Bistro und verteilte Vasen mit kleinen Blumensträußen auf den Tischen. Obwohl ich inzwischen einiges von Paula wusste, viele Beweggründe ihres Handelns nachvollziehen konnte und sogar einen wesentlichen Teil ihrer schwierigen Familiengeschichte kannte, schien sie mir manchmal noch genauso rätselhaft wie damals in der Schulzeit oder auch beim neuerlichen Auftakt unserer Freundschaft vor knapp einem Jahr, als ich glaubte, es lediglich mit einer erfolgreichen, schönen, ein wenig kühlen, aber nichtsdestotrotz interessanten und charmanten Frau zu tun zu haben. Ja, sie konnte hinreißend charmant sein, verführerisch, aufmerksam, und wenn ihr der Sinn danach stand, eine ganze Nacht Sex mit mir zu haben, dann blieb kein Wunsch offen und ich brauchte anschließend zwei Tage, um mich zu erholen. Wenn ihr nicht der Sinn danach stand, ließ sie mich vier Wochen lang schmoren, ohne auch nur danach zu fragen, wie ich mich fühlte. Distanz war überhaupt ihr Thema. Oder war es meins? Kaum schöpfte ich nach einer schönen Nacht mit viel Zärtlichkeit und Harmonie Hoffnung, dass unsere Beziehung nun auch ihrer Ansicht nach mehr Nähe vertragen könnte, wurde ich schnell eines Besseren belehrt. Vielleicht sollte ich mir abgewöhnen, mich an irgend etwas zu gewöhnen. Gemütliche Zweisamkeit war nun mal nur bedingt Paulas Sache. Wenn es hochkam, verbrachten wir mal zwei Tage und Nächte miteinander, dann aber trat sie auch schon wieder von einem Fuß auf den anderen und ließ sich anschließend die halbe Woche nicht blicken. Man sollte es schließlich nicht übertreiben.

Ich schlüpfte hinter den Tresen, um die Kaffee- und Teemaschine anzustellen. Am Tag zuvor hatte sie mir gesagt, dass unser gemeinsamer Urlaub wegen des neuen Jobs ins Wasser fallen würde. Meinen sorgsam ausgearbeiteten Vertretungsplan fürs Bistro konnte ich in die Tonne werfen. Dabei war er eine echte Knobelaufgabe gewesen, weil meine verlässlichste und versierteste Aushilfe Chris, ein Medizinstudent, der sich auf die Abschlussprüfungen vorbereitete, nicht mehr zur Verfügung stand, und Maren, eine Nachbarin, die immer mal einsprang, ausgerechnet zur selben Zeit verreisen wollte. So hatte ich zwei neue Leute ausfindig gemacht und war dabei, sie einzuarbeiten, was mich bereits erhebliche Zeit und Mühe gekostet hatte. Und damit natürlich Geld. Die Aushilfen – eine Kommilitonin meiner knapp neunzehnjährigen Tochter Tamara, die gerade mit ihrem Hochschulstudium angefangen hatte, und ein Bekannter von Chris – brauche ich über kurz oder lang sowieso, versuchte ich mich aufzumuntern, als ich die Tür aufschloss und die ersten Gäste das Bistro betraten. Stammkunden, die jeden Morgen ihren Kaffee bei mir tranken oder ein kleines Frühstück zu sich nahmen. Ich grüßte, aber die fröhliche Miene war aufgesetzt. Der Traum vom gemeinsamen Urlaub war geplatzt, und Paula wirkte nicht einmal sonderlich betrübt. Das war es, was mich so richtig wurmte. Wenn sie doch wenigstens tränenüberströmt und mit verzweifelt umherirrendem Blick vor mir gestanden hätte! Ja – wir hätten gemeinsam ein halbes Stündchen bitterlich geweint und dann neue Pläne geschmiedet. Aber Paula war bloß verlegen gewesen und eine Spur verärgert, dass ich unsere Reise nicht sofort unbekümmert hatte ad acta legen können.

Tamara kam um die Mittagszeit vorbei. Sie hatte freitags zwischen einer Vorlesung und einem Seminar zwei Freistunden, die sie häufig nutzte, um ins Bistro zu kommen und sich zu stärken. Unser Verhältnis war besser geworden, seit ich ihren Auszug nicht mehr als Kampfansage wertete, als Versuch, sich von mir abzuwenden, sondern als natürlichen und positiv zu wertenden Loslösungsprozess zwischen Mutter und Tochter. Na ja, jedenfalls bemühte ich mich um diese Sichtweise, obwohl es mir manchmal nicht ganz leichtfiel, da es offensichtlich ein wiederkehrendes Motiv meines Lebens war, mich mit Menschen auseinanderzusetzen, die mich verließen, die unsere Beziehung beendeten oder veränderten, ohne mich groß um mein Einverständnis zu bitten … Ehrlich gesagt – ich hatte die Nase voll von diesem Thema, weil es doch erheblich am Selbstbild kratzte, wenn man ständig die Zurückgelassene war. Tamaras Vater hatte sich einst ganz schnell aus dem Staub gemacht. Soweit ich mich erinnerte, hatte ich den Satz: Schatz, ich glaube, wir werden Eltern noch nicht mal zu Ende gesprochen, als schon die Haustür zuschlug, aber es konnte sein, dass mir da der Zeitraffer im Rückblick einen kleinen Streich spielte. Martin war verheiratet, als ich ihn kennenlernte und mich Hals über Kopf in ihn verliebte, und er kehrte zu seiner Frau zurück – fairerweise nachdem er mir beruflich auf die Beine geholfen und das Bistro großzügig gesponsert hatte. Wenn ich seinerzeit die Wahl gehabt hätte, wäre ich lieber mit Martin zusammengeblieben und hätte auf das Bistro verzichtet, was jedoch eine unkluge Entscheidung gewesen wäre. Aber das wurde mir erst später klar. Danach gab es einige Affären und kürzere Liebesgeschichten, bei denen ich die meiste Zeit achtgab, ja nicht verletzt zu werden, und dadurch wahrscheinlich das Beste verpasste.

Und nun also Paula, die ehemalige Schulfreundin aus der Zeit des gemeinsamen Diätens: Club der Hungerkünstlerinnen hatten wir uns damals genannt – Paula, Britta, Kerstin und ich. Einmal in der Woche waren wir zusammengekommen, um unsere Diäterfolge oder auch -misserfolge zu besprechen, und Paula war die treibende Kraft gewesen. Sie hatte alles über Kalorien, Nahrungsbestandteile und den Stoffwechsel gewusst; sie hatte uns angefeuert und Pläne erstellt, und jede von uns hatte abgenommen, auch ich, obwohl ich nur im Club gewesen war, um Paula nahe zu sein. Paula, die gar kein Übergewicht gehabt hatte und immer dünner geworden war. Dann war die Schulzeit zu Ende gewesen, und Paula war für zwanzig Jahre nach Frankfurt entschwunden. Für sie hatte die Club-Geschichte ein übles Nachspiel gehabt, das sie seitdem beschäftigte und das sie wohl auch noch die nächsten Jahre begleiten würde. Doch das erfuhr ich erst, als wir uns im vergangenen Jahr wiedersahen und sich immer deutlicher abzeichnete, dass Paula nicht die starke, selbstbewusste Frau war, für die ich sie hielt und für die sie gehalten werden wollte. Sie litt unter Eßstörungen, und sie hatte den Tod ihres Bruders und die Reaktion insbesondere ihrer Mutter darauf nie verkraftet. Auf den Punkt gebracht liebte ich eine magersüchtige Frau, die meine Gefühle – auf ihre Weise – erwiderte. Wir vertrauten und schätzten und ergänzten einander recht gut, in vielen Punkten jedenfalls. In einigen. Das Sprichwort, dass sich Gegensätze anziehen, traf auf uns zu. Immerhin, denn Gemeinsamkeiten waren nun wirklich nicht unser Ding. Ich betrieb mein Bistro, Paula war in der schillernden Welt der Werbung unterwegs, und ein Zusammenleben kam für sie nicht infrage. Heute nicht und morgen wohl auch nicht. Da fühlte man sich doch gleich so richtig angenommen.

»Du ziehst ein Gesicht, als hätten sich Finanz- und Gesundheitsamt gleichzeitig zur Außenprüfung angesagt«, erklärte Tamara, während ich ihr ein Glas Johannisbeersaft einschenkte und meinen angestammten Platz hinter dem Tresen einnahm.

Ich warf ihr einen strengen Blick zu. »Von wem hast du bloß diese fürchterliche Art, ständig zu übertreiben?«

Tamara zuckte die Achseln. »Rate mal. Oder lass es lieber sein, wenn deine Laune sich nicht noch verschlechtern soll. Also, was ist los? Hat Paula was angestellt?«

Was für eine Frage. »Angestellt? Nun ja, wie man’s nimmt«, antwortete ich missmutig. »Paula hat ja, wie du weißt, einen neuen Job. Und nun platzt unser lange geplanter gemeinsamer Urlaub. Zwei Wochen Südfrankreich. Aus der Traum. Adieu, Seifenblase, es war schön mit dir.«

Tamara leerte ihr Glas und sah mich dann an. Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Nachricht sie vom Hocker warf, ja sie zeigte sich nicht einmal anstandshalber auch nur ein wenig erschüttert.

»Ein bisschen mehr Mitgefühl hätte ich schon erwartet. Schließlich bist du meine Tochter«, knurrte ich.

»Sie hat doch ihre neue Stelle gerade erst angetreten, da kann sie nicht schon zwei Monate später Urlaub verlangen. Ihr Chef würde ihr einen Vogel zeigen. Sag nicht, dass du dafür kein Verständnis hast.«

»Verständnis?« Ich zuckte die Schultern. »Aber ja doch! Ich habe für so ziemlich alles Verständnis – weißt du nicht, wie man mich in eingeweihten Kreisen nennt? Rieke, die Verständnisvolle. Ich sollte mir einen Heiligenschein bestellen, damit es auch jeder und jede sehen kann.«

Tamara zog eine Augenbraue hoch. »Hm. Kann es sein, dass dir diese Rolle gerade auf den Geist geht?«

»Das kann gut sein. Zumindest darf ich doch mal anmerken, dass dieser Jobwechsel für mich ziemlich flott und unerwartet kam – nicht gerade aus heiterem Himmel, das gebe ich zu, denn die eine oder andere Andeutung hat sie vorher gemacht, aber für Paulas Verhältnisse war das eine richtig spontane Entscheidung. Ich glaube, sie braucht normalerweise länger, um sich für eine neue Winterjacke zu entscheiden. Der Urlaub dagegen war seit Monaten geplant, und ich habe mich wahnsinnig darauf gefreut, und außerdem …«

»Und außerdem was?«

»Und außerdem habe ich nicht mal das Gefühl, dass sie es groß bedauert. Wahrscheinlich ist ihr der Gedanke, zwei Wochen quasi ununterbrochen mit mir zu verbringen, sowieso nicht ganz geheuer gewesen, und nun atmet sie erleichtert auf, weil ihr das erspart geblieben ist!«

Tamara starrte mich an. »Was ist denn mit dir los? Oder sollte ich besser sagen: mit euch?«

Ich bereute meinen Ausbruch sofort. Da gerade neue Kundschaft eintrat, konnte ich die Antwort schuldig bleiben und die Ablenkung nutzen, um mich wieder in den Griff zu bekommen. Ich lächelte, als ich zu Tamara zurückkehrte. Ein aufgesetztes, steifes Lächeln, aber ein Lächeln, das mir die meisten Menschen abnahmen, sogar meine Tochter.

»Nimm mein säuerliches Gemecker nicht so ernst«, sagte ich. »Ich bin einfach sehr enttäuscht. Wir sehen uns zur Zeit auch nur selten … und … na ja … da kommt der Frust schon mal durch.«

»Warum fährst du eigentlich nicht alleine?« fragte Tamara. »Oder mit jemand anderem? Du bist doch ziemlich urlaubsreif. Was willst du hier rumhocken, zumal du ja vertretungsmäßig alles bestens vorbereitet hast?«

»Hm. Darüber habe ich ehrlich gesagt noch gar nicht nachgedacht.« Natürlich nicht. Ich hatte mich auf die Zeit mit Paula gefreut. Aber Tamara hatte gar nicht so unrecht. Und vielleicht würde es Paula ja mal ganz guttun, festzustellen, dass ich nicht ständig verfügbar war. Andererseits … Ich seufzte.

»Was ist denn mit deinen Freundinnen Britta und Kerstin?«

Ich winkte ab. »Kerstin fährt mit ihrem Lover irgendwo in ein Liebesnest in die Berge. Da ist Hüttenzauber à la Heidi angesagt, und Britta lässt ihren Mann doch nicht alleine. Außerdem wäre mir das zu anstrengend. Davon abgesehen – ich suche ja nicht auf Gedeih und Verderb eine Urlaubsbegleitung.«

»Hätte ja sein können. Es gibt Menschen, die grundsätzlich nicht gerne alleine wegfahren.«

Ich musste an zwei Tischen kassieren und ging dann in die Küche, um frischen Salat zu holen. Tamara machte Anstalten aufzubrechen.

»Musst du schon los?«

»Ja, ich will noch in die Bibliothek. Wir sehen uns – lass den Kopf nicht hängen und grüß Paula.«

Klar, wenn ich sie sehe. Ich unterdrückte die Worte und gab meiner Tochter einen Abschiedskuss. Sie warf sich ihren Rucksack über die Schulter und winkte lässig, bevor sie das Bistro verließ.

Abends stand Paula überraschend vor der Tür – mit einem großen Strauß Blumen.

»Es tut mir so leid«, flüsterte sie in mein Ohr, während sie mich in die Arme schloss.

Ich zog sie in die Wohnung, und wir blieben engumschlungen im Flur stehen.

»Wir holen alles nach, okay?« flüsterte Paula.

»Was heißt denn alles?«

Sie lachte und warf den Kopf zurück. »Alles mögliche.«

Mein Herz machte zwei große Sätze. Ihr Mund war warm, und sie atmete schnell.

Ich fuhr tatsächlich nach Südfrankreich ans Mittelmeer – weniger weil ich dringend ein paar Tage ausspannen musste und mich das Fernweh gepackt hatte, sondern um mir zu beweisen, dass ich das noch konnte: allein und unabhängig in die Ferien aufbrechen und mich dabei auch noch wohl fühlen. Andere Menschen, andere Sprache, ungewohntes Essen, fremde Umgebung und dabei ganz auf mich gestellt. Ich erholte mich ohne Zweifel gut, wurde braun, schwamm jeden Tag, aß fast nur Fisch, saß bis spät abends auf der Veranda des kleinen Ferien-Bungalows und lauschte den Grillen, schrieb Postkarten oder las dicke Schmöker, während ich den herben französischen Rotwein genoss. Es gelang mir sogar, nur zweimal am Tag daran zu denken, ob im Bistro wohl alles gutging, und in der zweiten Woche lernte ich ein paar nette Leute kennen, mit denen ich einige Ausflüge unternahm. Doch zu einer rundum entspannten und zufriedenen, geschweige denn glücklichen Grundstimmung langte es dennoch nicht. Ich vermisste Paula und nahm mir dieses Gefühl zu allem Überfluss auch noch übel. Es gefiel mir nicht, dass ich mehr für sie empfand als sie für mich, weil ich befürchtete, auf diese Weise – mal wieder – ins Hintertreffen zu geraten, und zugleich fand ich es albern, unsere Gefühle gegeneinander aufzuwiegen.

Als ich nach vierzehn Tagen mit laut klopfendem Herzen zu Hause eintraf, hatte Paula, die als Blumen- und Briefkastenfrau eingesprungen war, eine Flasche Champagner, Krabbensalat, Käse, Baguette und Eis besorgt und den Tisch liebevoll mit Kerzen und Blumen geschmückt. Sie küsste mich, bis ich keine Luft mehr bekam.

»Du liebe Güte – was für eine herrliche Schlemmerei!« entfuhr es mir erstaunt. »Und da werden wir beide uns jetzt drüber hermachen? Ist das wirklich dein Ernst?«

»Und ob!« erwiderte Paula. »Es gibt schließlich nur das Beste vom Feinsten.«

Sie stand neben mir, ich legte den Arm um ihre Taille und schob dabei mehr oder weniger zufällig zwei Finger in ihren Hosenbund. Er saß sehr locker. Sie zuckte kurz zusammen und blickte mich an.

»Schön, dass du wieder da bist«, sagte sie schließlich. »Wollen wir anstoßen?«

Ich nickte. »Gerne.«

Sie griff nach den Gläsern und entzog sich damit meiner Berührung. Wahrscheinlich hatte sie zwei Tage kaum etwas gegessen, um sich nun diese Schlemmerei mit mir gestatten zu können, überlegte ich. Wie schnell ich doch ihr Handlungsmuster begriffen hatte und wie sehr ich offensichtlich bereits darauf geeicht war, ihr Gewicht immer wieder zu überprüfen, Fort- und Rückschritte zu bemerken, um entsprechend reagieren zu können. Aber war das wirklich meine Aufgabe? Stand es mir überhaupt zu? Wollte ich damit vielleicht einfach nur Nähe schaffen, die mir sonst oft versagt blieb? Wenn ich sie in diesem Moment auf das Thema anspräche, wäre der Abend gelaufen, und ich hatte keine Lust auf einen Urlaubsausklang mit Streitgespräch, gedrückter Stimmung und einem schön gedeckten, aber verwaisten Tisch. Ich hatte Lust auf Schampus, Krabben, Eis, Küsse, prickelnde Leidenschaft, puren Sex. Probleme konnten wir auch noch am nächsten Tag wälzen. Oder am übernächsten.

3

Ich nahm mir eine ruhige Fahrt auf dem Kronprinzessinnenweg vor. Langsame, weit gleitende, ruhige Schwünge, bei denen ich kaum aus der Puste kam und die Inliners mit meinen Füßen verschmolzen, während die Arme locker in der Bewegung mitgingen. Ein Tempo, das ich, falls nötig, einige Stunden halten konnte, ohne mich zu überanstrengen. Doch nach gut dreißig Minuten beschleunigte ich, um einige andere Skater zu überholen und behielt anschließend, wie so häufig, das schnellere Tempo bei, obwohl ich mir fest vorgenommen hatte, nur im Ausdauerbereich zu trainieren. Ich wusste, dass ich mein Pulver frühzeitig verschoss, wenn ich mich vom Geschwindigkeitsrausch mitreißen ließ, und zur Vorbereitung auf den Berlin-Marathon brauchte ich noch einige lange, ruhige Einheiten. Doch gerade die waren gar nicht nach meinem Geschmack. Waren es noch nie gewesen. Ich liebte das Hitzige, die Schnelligkeit, den pfeifenden Atem, das deutliche Spüren der Belastbarkeitsgrenze, die sich an guten Tagen weit hinausschieben ließ, sich an schlechten jedoch mit schweren, schmerzenden Beinen und stechendem Druck in der Brust vorschnell ankündigte.

Diesmal hatte ich einen mittelguten Tag erwischt. Oder einen mittelschlechten – je nachdem. Nach einer Stunde Fahrt legte ich eine Pause ein, trank meine Apfelsaftschorle und setzte mich auf eine Bank ein Stück abseits des Weges. Meine Beine zitterten, der Schweiß lief mir übers Gesicht und den Rücken hinab. Ich nahm den Helm ab und atmete tief durch.

»Lass uns einen Kaffee zusammen trinken«, hatte ich Svenja am Abend zuvor gebeten. Sie hatte angerufen, weil sie wissen wollte, wie es mir ging. Gut natürlich, nahezu perfekt. Die Marathon-Vorbereitung lief prima, der neue Job war toll, genau so, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Mein Arbeitgeber war ein großer Sportartikelproduzent, bei dem ich hauptsächlich für die Produktentwicklung und Vermarktung der Inlineskater zuständig war und die Umsätze durch Marketingstrategien erhöhen sollte. So konnte ich Beruf und Hobby aufs beste miteinander verknüpfen.

»Wie schön. Das freut mich für dich.« Sie meinte es ehrlich.

»Und? Sehen wir uns?« schob ich hinterher.

»Nein.«

»Warum nicht? Lass uns ein bisschen reden. Schau, es ist Monate her …«

»Es ist trotzdem keine gute Idee«, sagte sie. Sie hatte eine sehr sanfte Stimme. »Es tut uns beiden nicht gut.«

Der Schmerz saß direkt im Herzen, von dort war er mir während des Telefonats in die Kehle gekrochen, hatte sie verengt, fast zugeschnürt. Vielleicht konnte ich deshalb am nächsten Tag so schlecht atmen. Ich öffnete die Tasche meines Bauchgurts und nahm einen Müsliriegel heraus. Dann eben nicht, dachte ich mit altbekannter Forschheit und zwinkerte. Vielleicht hatte sie längst eine Neue. Ich ließ ja auch nichts anbrennen – nein, das nun wirklich nicht. Die Trennung war Anfang des Jahres gewesen, und der große Krach lag noch länger zurück … Der große Krach.

Nach zehn Minuten Erholung skatete ich langsam in Richtung Parkplatz zurück und machte mich auf den Heimweg. Für den Rest des Tages hatte ich mir noch zwei Stunden am Schreibtisch verordnet und abends einen Zug um die Häuser. Ich brauchte Ablenkung. Jemanden, die mich aufmunterte, ablenkte, anmachte, die sich von mir anmachen ließ. Vielleicht tanzen. Svenja und ich hatten uns beim Tanzen kennengelernt. Vor ungefähr drei Jahren. Es war eng gewesen auf der Tanzfläche. Sie hatte mir ihre rote Mähne ins Gesicht geschleudert und sich nur halbherzig entschuldigt, so vergnügt und ausgelassen war sie gewesen. Später hatte sie mir ein Glas Wein spendiert und versprochen, mich wiederzusehen. Und ihr Versprechen gehalten.

Sie war das Beste, was mir je begegnet war. Sie betörte mich, sie ließ sich auf mich ein – auf meine Lust zu kämpfen, auf meine Entschiedenheit, meine Sehnsucht, mich auszuprobieren, meinen unbändigen Drang, die Dinge in die Hand zu nehmen, zu bestimmen. Es dauerte eine Weile, bis ich anfing zu begreifen, dass es so nicht weitergehen konnte, weil es sie grenzenlos erschöpfte, immer wieder auf mich zu warten, mich aufzufangen, meine Stürme mit mir durchzustehen. Da war es schon zu spät. Dass ich eine winzige Chance gehabt hatte, unsere Beziehung noch einmal zu retten, erkannte ich erst hinterher. Als endgültig alles zerschlagen war. Was für eine treffende Beschreibung!

Ich verlängerte die Schreibtischstunden auf drei. Die bisherigen Werbemaßnahmen meines neuen Arbeitgebers überzeugten mich überhaupt nicht. Meiner Ansicht nach musste ein völlig neues Konzept her, wenn möglich mit einer neuen Werbeagentur – das bedeutete frischen Wind. Ich trug mir einen entsprechenden Vermerk in meinen Terminkalender ein, um in der nächsten Geschäftsführerkonferenz einen entsprechenden Vorschlag zu unterbreiten, und fuhr nach Hause.

Früher Abend. Zeit für ein gutes Essen. Einen Drink. Ich schlüpfte in schwarze Jeans und Lederjacke und radelte in die Bergmannstraße, wofür ich von meiner Dachgeschosswohnung am Fraenkelufer in Kreuzberg nur wenige Minuten brauchte. Hatte ich außerhalb von Job und Sport eigentlich Bekannte, von Freundinnen und Freunden mal ganz zu schweigen? Menschen, mit denen man ins Kino ging oder ein Bier trank, die man anrief, einfach so, um ein wenig zu plaudern? Kaum noch. Viele hatten sich zurückgezogen, als die Beziehung mit Svenja beendet war. Vielleicht wussten sie ja, was passiert war. Vor einem Straßencafé schloss ich mein Mountainbike an und setzte mich an einen gerade frei werdenden Tisch. Zwei gutaussehende junge Männer mit Lederjacken und kurzen gegelten Haaren ließen mir den Vortritt. Ich bestellte einen Campari und holte mein Handy aus der Jackentasche. Gudrun und Anna fielen mir plötzlich ein. Gudrun skatete fast so eifrig wie ich, aber kennengelernt hatten wir uns bei einem Rhetorikseminar; Anna, ihre Freundin und Geliebte, leitete ein kleines Massagestudio, in dem ich mir regelmäßig meine harten Waden und muskelkrampfgebeutelten Oberschenkel massieren ließ. Anna war übers Wochenende verreist, und Gudrun hatte Besuch. Sagte sie jedenfalls. Ich trank einen Schluck von meinem Campari und sah hoch, als ein Schatten auf mich fiel.

»Möchtest du allein bleiben oder ist hier noch ein Platz frei?«

Sie war klein, zierlich, hatte dunkle, glatte Haare, die dringend eines vernünftigen Schnittes bedurft hätten, aber die Figur konnte sich sehen lassen. Ich taxierte sie. Ende Zwanzig, Anfang Dreißig. In den engen beigefarbenen Jeans kam ihr knackiger Hintern gut zur Geltung, und das knappe Rippenshirt betonte ihren kleinen Busen. Ich wusste, dass mein abschätzender Blick frech war, und ich genoss die Situation. Im Job musste ich mich zurücknehmen, hier nicht.

Ich zog einen Stuhl unter dem Tisch hervor und lächelte sie an. »Na klar ist hier noch frei. Setz dich doch.«

»Danke, das ist nett.«

Sie nahm Platz und stellte eine große Sporttasche neben sich. Braune Augen, mandelförmig geschnitten. Fein geschwungene Brauen, an denen sie sicherlich eine Weile herumgezupft hatte, damit sie einen so gleichmäßigen Bogen beschrieben. Sie bestellte ein Alster und hielt suchend Ausschau. Wahrscheinlich war sie verabredet. Oder sie tat nur so. Ich lächelte. Sie lächelte zurück.

»Möchtest du deine Ruhe haben oder wollen wir ein bisschen reden?« fragte ich.

Meistens reagierten die Frauen erstaunt oder amüsiert, in der Regel aber erfreut auf diese Frage. Es ihnen freizustellen, sich in ihr Schweigen zurückzuziehen, gefiel ihnen sehr, doch die meisten wollten genau das dann gar nicht mehr. Wenn jemand schon so rücksichtsvoll war, konnte man sie doch nicht enttäuschen!

»Das kommt aufs Thema an«, antwortete sie mit kaum spürbarem Zögern.

Ich hatte durchaus schon emotionsgeladenere Reaktionen erlebt, aber ich ließ mir nichts anmerken.

»Nun, ich heiße Ariane und bin leidenschaftliche Skaterin. Ist das eine Gesprächseröffnung, mit der du etwas anfangen kannst?« fragte ich leichthin.

Jetzt lächelte sie. »Lena. Ich heiße Lena und bin Musikerin. Ich spiele Klarinette.«

»Ist Musik deine Leidenschaft?«

»Ja, das kann man so sagen. Musik und Aikido.«

»Aikido«, wiederholte ich. »Japanisch, nehme ich an. Kampfsport? Interessiert mich sehr. Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich so was auch mal ausprobieren.«